Fragen zum Tragen
Hier finden Sie die häufigsten Fragen rund ums Tragen mit einer kurzen Antwort.
Die Angaben beruhen auf den uns bekannten aktuellen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen in der Humanbiologie,
Medizin und Psychologie.
1. Ab wann kann man ein Baby im Tragetuch tragen?
Von Geburt an. Der menschliche Säugling ist ein Tragling.
Für die ersten Lebenswochen werden nur Bindungen empfohlen, die am Kind festgezogen werden können, wie z.B. die Wickelkreuztrage. Bindetechniken, die vorgebunden werden, sollten erst verwendet werden, wenn das Kind sein Köpfchen sicher halten kann.
2. Muss man ein Baby anfangs liegend tragen?
Nein. Als aktiver Tragling kann ein Baby von Geburt an aufrecht im Tuch getragen werden. Wichtig ist es, dabei die geeignete Bindetechnik zu wählen und darauf zu achten, dass Rücken und Köpfchen ausreichend abgestützt sind.
3. Wie möchten Kinder getragen werden?
Es gibt im Wesentlichen zwei Kriterien, die die richtige Bindung ausmachen:
| 1. |
Die Bindung muss so fest sein, dass das Kind vom Tragetuch gehalten und gestützt wird und nicht in sich zusammensinken kann. |
| 2. |
Die Beine des Kindes müssen auch im entspannten Zustand des Kindes in der Anhock-Spreiz-Stellung bleiben. |
4. Warum ist die Anhock-Spreiz-Haltung so wichtig?
Der Rücken eines neugeborenen Kindes ist leicht gerundet und die Hüftgelenke sind nach vorne orientiert. Dieser natürlichen Haltung wird durch die Anhock-Spreiz-Haltung entsprochen.
Hängen die Beine herab, fällt das Kind in ein unphysiologisches Hohlkreuz.
Die Hüftgelenke nehmen durch die Anhock-Spreiz-Haltung ihre optimale Stellung ein. Der Oberschenkelkopf liegt dann mittig in der Hüftpfanne. Durch hinzukommende Bewegungsreize wird die Nachreifung der Hüftgelenke in idealer Weise unterstützt.
5. Kann das Baby im Tuch nicht ersticken?
Nein. Es ist von Geburt an in der Lage, seinen Kopf zu drehen. Würde der Sauerstoffgehalt im Blut tatsächlich durch behinderte Atmung sinken, stiege der Kohlendioxidgehalt im Blut an, was eine Aufwachreaktion im Gehirn bewirkt. Bei Frühgeborenen beobachtete man einen Anstieg der Sauerstoffsättigung im Blut, wenn sie mit der Kängurumethode vor der Brust getragen wurden. Neueste Studien zeigen, dass Babys im Tragetuch völlig normal atmen.
6. Welches Tragetuch ist denn das Beste?
Ein gutes Tuch ist fest in Kette und Schuss, aber diagonal dehnbar, hat möglichst doppelt versteppte Kanten und ist schadstofffrei.
Manche Tücher sind mit zusätzlichen Bindehilfen ausgestattet: Mittemarkierungen, verschieden farbige Kanten, Streifendessins mit Einteilungscharakter etc., was den Handhabungskomfort erhöhen und das Erlernen des korrekten Bindens unterstützen kann.
Die Tücher der verschiedenen Hersteller unterscheiden sich in der Stoffbeschaffenheit. Vor einem Kauf kann es hilfreich sein, die unterschiedlichen Tücher einmal Probe zu binden.
Ein Tragetuch ist wie ein Kleidungsstück. Deshalb sollte ihnen die Farbe gut zu Gesicht stehen. Prüfen Sie selbst die Angebote. Einige Hersteller finden Sie hier.
7. Welche Tragehilfen sind empfehlenswert?
Eine Tragehilfe sollte auf folgende drei Punkte hin geprüft werden:
| 1. |
Schmiegt sich der Stoff der Tragehilfe so fest um den Rücken des Kindes, das die Wirbelsäule gleichzeitig gut abgestützt und in ihrer runden Haltung unterstützt wird? |
| 2. |
Ermöglicht die Tragehilfe eine Anhock-Spreiz-Haltung der Beine, um eine korrekte Hüftstellung zu erreichen und die Wirbelsäule in ihrer runden Haltung zu unterstützen? Das Material zwischen den Beinen muss hierbei von Kniekehle zu Kniekehle reichen und gewährleisten, dass die Knie des Kindes auch im entspannten Zustand auf Bauchnabelhöhe des Kindes bleiben. |
| 3. |
Ermöglicht die Tragehilfe, das Gewicht des Kindes gleichmäßig auf den Körper des Trägers zu verteilen? Dies erhöht den Tragekomfort. |
8. Ab wann kann ich mein Baby im Hüftsitz tragen?
Die Hüfttrage mit dem langen Tuch kann ab Geburt verwendet werden. Vorgebundene Hüftvarianten wie die klassische Hüfttrage sind erst empfehlenswert, wenn das Kind eine sichere Kopfkontrolle zeigt.
9. Ab wann darf das Kind auf den Rücken?
Die Erfahrung zeigt, dass sich die Rückentrageweise am besten erlernen lässt, wenn das Kind den Kopf schon selbständig halten kann, aber noch nicht seiner eigenen Wege "krabbelt".
Der Zeitpunkt, zu dem das Bedürfnis nach der Rückentechnik bei Eltern und Kind entsteht, ist sehr unterschiedlich. Manche Eltern-Kind-Paare genießen das Bauchtragen sehr lange Zeit. Für Andere wird das Rückentragen früher wichtig. Sie werden den richtigen Zeitpunkt spüren.
10. Kann man beim Tragen etwas falsch machen und damit dem Kind schaden?
Ja. Schlecht oder zu locker gebundene Tücher schaden Kind und Träger. Achten Sie stets auf die Grundregeln des Tragens: Fest binden, um die Wirbelsäule optimal zu stützen und Anhock-Spreiz-Haltung der Beine, um eine korrekte Hüftstellung zu erreichen und die Wirbelsäule in ihrer runden Haltung zu unterstützen.
Wichtig: Diese anatomisch korrekte Haltung ist nur in Face-to-face-Haltung gegeben. Tragen Sie ein Kind deshalb immer so, dass es sein Gesicht Ihrem Körper zugewandt hält.
11. Ich bekomme schnell Schulter- und Nackenschmerzen beim Tragen. Woran liegt das?
Überprüfen Sie die Bindetechnik auf Festigkeit und auf ihre Eignung für Alter und Gewicht des Kindes.
12. Wenn ich mein Baby dauernd trage, verwöhne ich es dann nicht zu sehr?
Durch das Tragen wird ein Baby seiner natürlichen Erwartung entsprechend versorgt - das Erfüllen von Grundbedürfnissen ist kein Verwöhnen.
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